Ferienwohnungen Bad Segeberg: Wieviele verträgt die Altstadt

Sie nehmen zu, die Ferienwohnungen in Bad Segeberg. Die Urlaubsgäste sind gerne gesehen. Doch in der Stadt regt sich auch Widerstand. Vor allem in der Altstadt.

Ferienwohnungen in Bad Segeberg: zentral gelegen, in malerischer Umgebung – in der Altstadt eben

Es kann in Bad Segeberg keinen schöneren Ort für eine Ferienwohnung geben, als die Altstadt. Soviel steht fest. Den Urlaubern gefällt das, denn von hier aus erreicht man einen jeden Punkt in Bad Segeberg ganz rasch. Der Kalkberg, die City, den Segeberger See – jeder Punkt liegt fußläufig nur Minuten entfernt. Da könnte man doch zufrieden sein, oder?

In Winnetous Wigwam wohnen

Bad Segeberg hat für uns Deutsche seit jeher den Klang von Winnetou und Old Shatterhand. Karl May gehört da einfach dazu. So manche Kindheitserinnerung treibt uns dann doch von der Autobahn herunter in die Stadt Bad Segeberg hinein. Nur mal schauen, wie das da so ist. Es gibt da keinen Wigwam in der City, das wissen wir, doch wir wollen es uns mal ansehen, die Stimmung aufnehmen. Oder wir gehen mit guter deutscher Gründlichkeit heran und planen gleich mal ein ganzes Wochenende ein, am Besten in einer Ferienwohnung, die sind ja noch bezahlbar – und mitten in der Altstadt gelegen.

Der merkantile Bad Segeberger Bürger: Ferienwohnung als Einnahmequelle

Auch den gibt es. Die alljährlichen Touristen suchen nach Unterkünften. Der Urlaubseuro sitzt durchaus etwas locker und da ist so mancher versucht, in den Sommermonaten und davor und danach mit einer Ferienwohnung etwas Kleingeld in die eigene Kasse zu spülen. Das ist sein gutes Recht, zumal, wenn die Stadtverwaltung hierfür die Genehmigung erteilt. Dem Tourismus tut es auch gut. Denn gute und zentral gelegene Unterkünfte freuen den Touristen, animieren ihn zur Rückkehr in der Zukunft.

Fluch und Segen für Bad Segeberg: die Ferienwohnungen in der Altstadt

Schnell ist man am Bad Segeberger See und zur rechten Jahreszeit sind es nur wenige Schritte zum Areal der Freunde von Karl May. Das lassen sich die Touristen nicht zweimal sagen und buchen flugs die Ferienwohnungen in der Altstadt. Längst ist nicht nur die Hauptsaison ausgebucht. Auch Vor- und Nachsaison finden Zuspruch.

So schön es für die Wohnungseigentümer ist, wenn sich der Säckel prall und praller füllt, so sehr beklagen sich die Bewohner der Altstadt. „Es ist hier wie in einer Ferienhaussiedlung!“ – will sagen, die Gäste sind nicht immer leise, vor allem wenn unter den Gästen gefeiert wird. Was für den Gast einfach nur ein schöner, festiver Abend ist, das ist für den Segeberger Altstädtler eine wiederkehrende Geräuschkulisse.

Amtsdeutsch: kurzvermieteter Wohnraum

Es gibt für das Thema auch einen vom Amtsschimmel geprägten Begriff: der „kurzvermietete Wohnraum“. In der Fragestunde der Stadtvertretersitzung kam das Thema auch schon zur Sprache. Die Bürger der Altstadt halten nicht mehr still, melden sich zu Wort.

Man rügt eine zunehmende Zahl an Ferienwohnungen. So seien in der Lübecker Straße bzw. der Oberbergstraße bereits 25 Ferienwohnungen am Start. Ob das nun viel oder wenig ist, liegt sicher im Auge des Betrachters. Auf jeden Fall ist es eine Veränderung gegenüber dem früher eher beschaulichen Leben in der Segeberger Altstadt. Einig sind sich die Altstädter jedenfalls: sie stören, die Gäste in den Ferienwohnungen. Vor allem nachts.

Der kurzvermietete Wohnraum fehle auch dem Bad Segeberger Wohnungsmarkt. Gerade kleine Wohnungen seien gefragt und durch die neue Nutzungsart plötzlich verknappt. Argwohn ist auch unterwegs. Da stellt man schon mal infrage, ob denn alle Vermieter der Ferienwohnungen ihre Tourismusabgabe und ihre Steuern korrekt entrichten – wenn „schon per Anzeige vor Ort Barzahlung verlangt wird“ (Zitat). Das Thema polarisiert offenbar.

Das Berliner Phänomen

So ganz neu ist die Erscheinung nicht. Auch andere Städte, allen voran unsere Hauptstadt Berlin, kämpfen mit der kurzfristigen Nutzung und dem daraus entstehenden Druck auf den Wohnungsmarkt. In Berlin hatte man sich nicht über den Lärm der Gäste beklagt. Da geht es eher um den entstehenden Preissog und die Berliner, die das Nachsehen haben und die steigenden Mieten nicht mehr bezahlen wollen und auch oft nicht können.

Während Berlin bereits mit Verboten und klaren Regelungen eingegriffen hat, rudert Bürgermeister Dieter Schönfeld noch richtungslos und will erst einmal sondieren. Erfahrungen, die man in Lübeck gesammelt hat, will man auch in Bad Segeberg prüfen. Wo werden künftig Ferienwohnungen erlaubt sein? Wo werden sie verboten sein? Welche Quote ist erträglich? Welche reicht noch aus, den Touristen hinreichend Unterkunft zu bieten?

Wie denken die Vermieter darüber?

Die Vermieter der Ferienwohnungen sind da wesentlich zielstrebiger – und pragmatischer. Zuerst sehen sie kein rechtliches Problem. Die Altstadt Bad Segebergs ist kein reines Wohngebiet. Die Nutzung der Altstadt als Mischgebiet hat es bisher wohl auch erleichtert, die Genehmigungen zu erhalten, was offenbar bereits in größerer Stückzahl geschah. Hier sieht man keinen Konfliktstoff.

Eine starke Zunahme der Ferienwohnungen sieht man nicht. Man zitiert die offiziellen Zahlen der Stadt. Danach gab es gegenüber dem Jahr 2018 sogar einen Rückgang der Gästezahlen um fast 4 Prozent gegenüber dem Jahr 2017. Es deutet sich auch an, dass die Gäste in den Ferienwohnungen (Provenienz: USA und China) womöglich gar nicht aus touristischen Gründen nach Bad Segeberg kommen. Sind es Geschäftreisende, die Bad Segeberg als Vorort von Hamburg betrachten und hier schlicht die kostengünstigeren Übernachtungsmöglichkeiten suchen?

Das Thema dürfte die Stadt Bad Segeberg auch weiterhin beschäftigen. Die Nähe zu Hamburg und die weitere Zunahme der Bedeutung des Hafens werden die Frequenz der Gäste sicher nicht reduzieren. Die verschiedenen Interessen in Bad Segeberg unter einen Hut zu bringen sollte auf eine weise Entscheidung hinauslaufen. Winnetou wird hier leider nicht helfen können.


Bildnachweis: © alle schwarzer.de

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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