Historischer Chiemgau
Die wuchtigen Alpen, die Flußlandschaften des Inns, der Tiroler Achen, der Traun und der Alz, der Chiemsee mit seinen Mooren im Süden und den Endmoränen im Osten, der Waginger See mit dem Salzachtal, die Eiszerfallslandschaft bei Seeon mit ihren einmaligen Toteislöchern - das alles macht das Wesen des Chiemgaus aus, das Einheimische lieben und Gäste schätzen.
Erstmals seßhaft wurden Menschen in diesem von gewaltigen urzeitlichen Gletschern geformten Landstrich vermutlich in der frühen Bronzezeit, etwa 1800 bis 1550 vor Christus. Relikte aus den darauffolgenden Jahrhunderten - so das Hügelgräberfeld bei Tacherting oder ein bei Staudach-Egerndach gefundenes Bronzeschwert - belegen eine sich stetig entwickelnde Kultur. In den letzten fünf vorchristlichen Jahrhunderten war das Land um den Chiemsee ein Randgebiet des keltischen Königreichs Noricum, dann wurde es für die nächsten 500 Jahre dem römischen Weltreich einverleibt.
Eine wichtige Fernstraße verband zu jener Zeit die Verwaltungszentren Juvavum (Salzburg) und Augusta Vindelicum (Augsburg). An dieser Ader, unmittelbar am Ufer des Chiemsees, entstand auch der Ort Bedaium, das heutige Seebruck.
Reiches Fundmaterial wie Reste der Architektur, Grabbeigaben oder Weihesteine für den Chiemseegott Bedaius lassen die Bedeutung des Ortes erahnen (Römermuseum).
Dem Zerfall des Imperiums folgte nach einer Zivilisationspause die Besiedelung durch die Bajuwaren, deren kulturelles Erbe in Gestalt geheimnisvoller Gräberfelder in der Nähe von Waging und Petting das Interesse der Wissenschaft ausgelöst hat. 1275 fiel der Chiemgau an das inzwischen entstandene Stammesherzogtum.
Mittelpunkte im Geistes- und Wirtschaftsleben waren für Jahrhunderte die Klöster, so die im 8. Jh. gegründeten Benediktinerabteien auf den Inseln Frauen- und Herrenchiemsee, das Kloster in Seeon (994 gegründet) und das Augustiner-Chorherrenkloster in Baumburg (1023 geweiht). Nach der Säkularisation 1803 bildete sich nur auf der Fraueninsel erneut klösterliches Leben. Adelsgeschlechter vermochten sich nur vorübergehend und an einigen Orten neben den Wittelsbachern, seit 1180 Bayerns Regenten, zu behaupten. Im 13. Jh. klärten sich die territorialen Verhältnisse. Der westliche Teil des Chiemgaus und das Gebiet um Traunstein blieben bayerisch, der Rupertiwinkel wurde von Salzburg regiert und verwaltet. Chiemsee war von 1215 bis 1803 ein Salzburger Suffraganbistum. 1818 ging es im neugeschaffenen Erzbistum München und Freising auf. Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit betrieb man Bergbau in einigen Orten des Chiemgaus: Eisenerz, Blei und Galmei wurden abgebaut und verarbeitet. Große Bedeutung erlangte der Salzhandel. Die unter Kaiser Ludwig IV., dem Bayern (1314-47), angelegte "Güldene Salzstraße" verlief von Reichenhall über Inzell und Traunstein nach Wasserburg am Inn. Nach langem Streit setzten die Rosenheimer im 16. Jh. durch, daß der "Samzug", der Salztransport, über ihren Ort geführt wurde. Als man 1613 in Reichenhall eine weitere ergiebige Salzquelle entdeckte und ihre Nutzung am Holzmangel zu scheitern drohte, beschloß die bayerische Regierung, eine Soleleitung nach Traunstein zu legen und dort eine Saline zu errichten. Die über 30 km lange Leitung, die eine Steigung von rund 240 Metern zu überwinden hatte, wurde 1619 fertiggestellt; sie war eine der beachtlichsten technischen Leistungen ihrer Zeit. In Traunstein entstand die Salinenvorstadt Au. Sie wurde aus dem Stadtverband ausgegliedert und war von 1620 bis 1808, erneut von 1819 bis 1914 eigenständige Hofmark bzw. Gemeinde mit zuletzt 700 Einwohnern. 1773-85 entstand ein neues Sudhaus.
Als auch in Traunstein das Holz knapp wurde, legte man eine von der alten Linie in Siegsdorf abzweigende neue Soleleitung nach Rosenheim, wo 1810 die dritte bayerische Saline ihren Betrieb aufnahm. Die Saline in Traunstein arbeitete bis 1910 und wurde 1912 aufgelassen, die Rosenheimer war bis 1958 in Betrieb. Brunnhäuser an der alten Soleleitung und Bauten in der Traunsteiner Au zeugen noch von der Salz-Zeit des Chiemgaus.
Im Münchener Vertrag 1816 erhielt Bayern die salzburgischen Ämter Waging, Tittmoning, Laufen und Teisendorf: den Rupertiwinkel. Mit der Entdeckung der Fraueninsel und der Chiemseelandschaft durch den Münchner Maler Maximilian Haushofer und seine Freunde begann 1828 ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Region. Den Künstlern folgten die Touristen, wozu die Fertigstellung der Eisenbahnlinie München-Rosenheim-Salzburg 1860 erheblich beitrug. 1933 fuhr der erste Reisesonderzug von Berlin nach Ruhpolding. Einen starken Aufschwung erlebten die Orte am Chiemsee und in den Chiemgauer Alpen nach dem Zweiten Weltkrieg. Wichtige Impulse gingen diesmal von der Autobahn München-Salzburg aus. Reit im Winkl (alpiner und nordischer Skisport), Ruhpolding (Leistungszentrum für Biathlon) und Inzell (Leistungszentrum für Eisschnellauf) wurden zu wichtigen Zentren des Wintersports.
Die Schaffung und Erhaltung von Arbeitsplätzen in Fremdenverkehr, Industrie und Gewerbe mag wohl ihren Tribut fordern - die bedenkenlose Opferung der natürlichen Lebensgrundlage war dennoch nie Sache des Chiemgauer Menschenschlags. Zwar ist die Vollerwerbs-Landwirtschaft auch im Landkreis Traunstein einem Schrumpfungsprozeß unterworfen, doch erwuchsen den Bauern neue Aufgaben als Landschaftspfleger.
Ohne die Arbeit der Landwirte - unter anderem auch auf den rund 200 Almen - würde der Chiemgau sein charakteristisches Gewicht verlieren.
Quelle: Pressemeldung Chiemgau Tourismus e.V.
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